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Pascal: "Ich bin ganz klar im Kopf"

Tourette-Syndrom: Zucken der Augenlider - der Anfang der Krankheit bei Pascal Reiche. Er wünscht Verständnis statt blöder Sprüche.

Von Jochen Gipp

Wilhelmsburg - Sein strahlendes Lachen kommt von Herzen. Dabei ist dem 15-jährigen Pascal Reiche aus Wilhelmsburg oftmals gar nicht zum Lachen zumute. Dann nämlich, wenn er von fremden Leuten auf der Straße wegen seines Verhaltens gemeine Bemerkungen zu hören bekommt. "Was zuckst du so, hast du Drogen genommen?", wird gefragt. Oder auf dem Jahrmarkt, vor der Schmalzgebäck-Bude, da jagte ihn ein Verkäufer sogar davon, weil er meinte, wegen Pascals Zuckungen würden andere Kunden nicht zum Verkaufsstand kommen. "Da bin ich gegangen und habe mir meinen Kuchen woanders gekauft", erinnert er sich.

Damit Pascal in Zukunft auf mehr Verständnis seiner Mitmenschen stößt, wagt er mutig den Schritt nach vorn und berichtet über seine Krankheit, die ihn seit drei Jahren quält und die nach wie vor als nicht heilbar gilt. Seine Krankheit ist unter der Bezeichnung Tourette-Syndrom bekannt, abgekürzt TS, und zeigt sich bei ihm durch gelegentlich unkontrollierte Kopf-, Schulter- und Armbewegungen. Wer schon mal stundenlang mit einem Schluckauf kämpfte oder kurz vor dem Einschlafen von einem Zucken durch den ganzen Körper wie elektrisiert wurde, kann in etwa erahnen, welche unkontrollierbaren Regungen ein TS-Kranker zu ertragen hat. Pascal ist mit einem Krankheitsgrad von 35 Prozent noch relativ gering auffällig. In schwereren Fällen stoßen TS-Kranke oft undefinierbare Laute aus, wiederholen Wortfetzen oder fallen durch obszöne Worte und Gesten auf.

Unter 10 000 Menschen erkranken etwa fünf an TS. Zumeist tritt die Krankheit im Kindesalter ab acht Jahren auf und in der Mehrzahl sind Jungen von ihr betroffen. Während der Pubertät können sich die Auswirkungen des Tourette-Syndroms verstärken. Pascal und seine Mutter Sylvia hoffen, dass sich der Krankheitsgrad nicht weiter verstärkt und vor allem, dass die Forschung endlich wirksame Medizin entwickelt. Bislang versucht Pascal mit Beruhigungsmitteln, morgens und abends eingenommen, seine "Tics" zu bändigen.

Angefangen hatte die Krankheit bei Pascal mit Zucken der Augenlider. Dann kamen Grimassen, Kopf- und Schulterzucken hinzu, bis hin zu unkontrollierten heftigen Schleuderbewegungen der Arme.

"Anfangs glaubte ich, Pascal sei übernervös, weil er zu viel fernsieht", sagt Sylvia Reiche. Verschiedene Ärzte konnten keine sichere Diagnose stellen, bis nach langer Irrfahrt von Praxis zu Praxis schließlich Experten in Hannover die Gewissheit gaben, dass Pascal am Tourette-Syndrom leidet. "Bis zu einer Stunde kann ich mich durch Konzentration einigermaßen kontrollieren", sagt Pascal, "doch ewig kann ich die Tics nicht unterdrücken. Das geht einfach nicht." Alle, die Pascal aus Schule und Nachbarschaft kennen, machen sich nichts aus seinen Zuckungen. Oder wenn mal Hänseleien von ihnen zu hören sind, dann kann Pascal damit umgehen. Sein Problem sind die Fremden, die ihn für nicht ganz klar im Kopf oder drogenabhängig halten und dumme Sprüche machen.

Pascal besucht die Gesamtschule und ist gerade von der neunten in die zehnte Klasse versetzt worden. Und schon seit Kindesbeinen an ist er ein begeisterter Leistungsschwimmer, wurde vergangenes Jahr in seiner Altersklasse im Brustschwimmen sogar Dritter der Hamburger Meisterschaft. Zusammen mit seinen Freunden fährt Pascal auch gern Rad, läuft mit seinen Inline-Skates oder bummelt auch voll Begeisterung durch die Geschäfte der Hamburger Innenstadt. Computerspiele interessieren ihn und natürlich auch flotte Klamotten.

Trotz allem "immer fröhlich bleiben" ist Pascals Devise. Unter http://www.tourette.de gibt es im Internet Informationen zu neuesten Erkenntnissen. So sollen im Erwachsenenalter bei 70 Prozent der Betroffenen die Beschwerden zurückgehen. Pascal hofft, dass er dazu gehört.

Quelle: Hamburger Abendblatt
Erscheinungsdatum 05.07.2002

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