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Presse Übersicht

Berliner Morgenpost vom 25. September 1998:

Muskelzucken und krankhafte Pedanterie

Von Uwe Groenewold

Die Muskeln zucken unkontrolliert, das Gesicht verzieht sich zur immer gleichen Grimasse. Dazu ein Grunzen, Gurren und Schnüffeln. Solche sogenannten Tics sind typisch für das Tourette-Syndrom, einer wenig bekannten und kaum erforschten Erkrankung, an der rund 40 000 Menschen hierzulande leiden. In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) befassen sich morgen erstmals überhaupt in Deutschland Ärzte und Wissenschaftler auf einem Symposium mit dieser für den Betroffenen und sein Umfeld belastenden unheilbaren Erkrankung.

«Das Tourette-Syndrom ist gekennzeichnet vom gleichzeitigen Auftreten unwillkürlich hervorgebrachten Geräuschen und Bewegungen, den Tics», erklärt Kirsten Müller-Vahl von der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der MHH. Sie begännen meist schon im Kindesalter; Jungen seien häufiger betroffen als Mädchen. Die Symptome schwanken häufig in ihrer Intensität, oft sind die Betroffenen zwischendurch Monate bis Jahre beschwerdefrei. Unterschiede gibt es auch in der Ausprägung - ein ständiges Husten oder Räuspern kann ein Kopfzucken oder Blinzeln ablösen.

Teil der Erkrankung sind oft extreme Verhaltensauffälligkeiten: Kinder sind hyperaktiv, in ihrer Aufmerksamkeit gestört und aufbrausend bis jähzornig. Im Jugend- und Erwachsenenalter treten häufig Zwangssymptome auf: Der Betroffene muß immer wieder kontrollieren, ob die Wohnungstür wirklich abgeschlossen ist. Dazu kommt oft ein sogenanntes «Genau-richtig-Gefühl». Müller-Vahl: «Ein amerikanischer Basketball-Profi, der am Tourette-Syndrom erkrankt ist, benötigt 20 bis 30 Minuten, bis seine Senkel exakt so geschnürt sind, wie er es wünscht. Wenn die anderen längst duschen, übt er Freiwürfe. Mit Erfolg: Heute ist er Basketball-Millionär.»

Die Ursachen liegen nach wie vor im Dunkeln. Zwar weiß man inzwischen, daß es sich bei der bereits 1885 von dem französischen Arzt George Gilles de la Tourette entdeckten Krankheit um eine organische Störung handelt. Doch trotz Einsatz modernster Technik (u. a. Computer- und Positronen-Emissions-Tomographie) ist der Schlüssel bisher nicht gefunden.

Die Wissenschaftler vermuten eine Fehlfunktion im Zusammenspiel verschiedener Hirnzentren. Der gestörte Informationsaustausch zwischen Basalganglien, limbischem System und Frontalhirn soll auf einen Überschuß des Botenstoffs Dopamin zurückzuführen sein. Dopamin spielt auch bei der Parkinson-Krankheit eine große Rolle: Hier führt - zusammen mit dem Absterben der Nervenzellen - ein Dopamin-Mangel zu einer fortschreitenden Bewegungsunfähigkeit.

Auch die Suche nach einem speziellen Tourette-Gen war bisher erfolglos. Die Forscher sind dennoch von einer erblichen Komponente überzeugt. «Wir vermuten, daß die genetische Veränderung auf verschiedenen Genen liegt und nur eine bestimmte Gen-Konstellation in Verbindung mit weiteren Faktoren wie z. B. Virusinfektionen, hormonellen oder immunologischen Einflüssen zu einer Tourette-Erkrankung führt», erläutert die Hannoveraner Wissenschaftlerin.

Allgemeine Therapierichtlinien gibt es ebenfalls noch nicht; die Behandlung ist symptombezogen. Mit der Gabe sogenannter Neuroleptika, die dem Dopaminüberschuß entgegenwirken sollen, hat man in Phasen vermehrter Tics gute Erfolge erzielt; mit der Krankheit einhergehende Ängste und Depressionen werden psychotherapeutisch und pharmazeutisch behandelt. In Hannover wird erstmals in einer kontrollierten Studie die Wirkung von Cannabis auf Tourette-Patienten untersucht. Trotz der Beeinträchtigungen und schlechten Heilungschancen können viele Tourette-Patienten ein normales Leben führen.

Es gebe, so Müller-Vahl, schwere Fälle, die dennoch beruflich aktiv und verheiratet sind. Andere wiederum sind sozial ausgegrenzt, haben aufgrund ihrer lauten Geräusche die Wohnung verloren oder wurden gar in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen. Dabei vollbringen die Hirne einzelner Patienten kaum vorstellbare Leistungen: Ein erfolgreicher Chirurg, der am Tourette-Syndrom leidet, unterdrückt seine Symptome über mehrere Stunden. Nach Feierabend, in den heimischen vier Wänden, entladen sich die Muskelzuckungen dann mit doppelter Kraft.

© Berliner Morgenpost 1998

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