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Tuesday, 13-Jun-2017 13:18:08 CEST

 

 

 

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Übersicht Forschung

1. Deutsches Tourette-Symposium

Zusammenfassung von Frau Dr. Müller-Vahl

Am 26. September 1998 fand in Hannover in der Medizinischen Hochschule das 1. Deutsche Tourette-Symposium statt, das gemeinsam von der TGD sowie der neurologischen und psychiatrischen Klinik der MHH organisiert wurde. Ziel dieser Veranstaltung war es, sowohl Ärzte als auch Betroffene, deren Angehörige und interessierte Laien über das Tourette-Syndrom zu informieren. Darüber hinaus sollte ein Forum zur wissenschaftlichen Diskussion geboten werden. Um einen umfassenden Überblick über Klinik, Pathologie, Genetik und Therapie zu geben, waren nationale und internationale Experten eingeladen worden.

Nachdem am Vormittag die Mitgliederversammlung der TGD stattgefunden hatte, eröffnete Herr K. Joseph als Vorsitzender der TGD das Symposium. Nachfolgend sprachen Herr Prof. Dr. R. Dengler, Leiter der Neurologischen Klinik, und Herr Prof. Dr. H.M. Emrich, Leiter der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie, Grußworte. Zudem wurden Grußworte von Herrn Melby aus Norwegen verlesen, der auf europäischer Ebene für die amerikanische Tourette-Association arbeitet und leider aus persönlichen Gründen nicht nach Hannover kommen konnte.

Den ersten Vortrag hielt Herr Dr. E. Boisen aus Sonderburg, Dänemark, zum Thema "Tics". Herr Dr. Boisen hob in seinem Vortrag insbesondere hervor, daß Tics in der klinischen Erscheinung sehr vielfältig und wechselhaft sind, sehr häufig durch ein vorangehendes Vorgefühl charakterisiert sind und oft kurzzeitig unterdrückt werden können.

Nachfolgend sprach Frau Prof. M. Robertson aus London, England, über begleitend bestehende Verhaltensauffälligkeiten. Sie gab zunächst einen Überblick über die Vielzahl der möglichen - neben den Tics - bestehenden Symptome und berichtete dann über Ergebnisse eigener Untersuchungen aus den letzten Jahren. Dabei wurde deutlich, daß derartige Verhaltensauffälligkeiten ein häufiges Problem darstellen und daß deren Therapie oftmals schwieriger ist, als die Behandlung der Tics. Beeindruckend waren die Ergebnisse einer kürzlich abgeschlossenen epidemiologischen Untersuchung, die eine Prävalenz (d.h. Häufigkeit) des Tourette-Syndroms von 2,8% ergab. Diesen Ergebnissen zufolge ist das Tourette-Syndrom also keine seltene, sondern im Gegenteil vermutlich sehr häufige Erkrankung.

Die Vorträge am Vormittag, die einen klinischen Überblick gaben, wurden durch einen Bericht von Herrn B. Grave aus Osnabrück abgerundet, der das Tourette-Syndrom "aus der Sicht eines Betroffenen" darstellte. In gewohnt souveräner Art berichtete Herr Grave über sich und beeindruckte damit nicht nur viele der anwesenden Ärzte, sondern machte anderen Betroffenen Mut und Hoffnung trotz und mit dem Tourette-Syndrom zu leben. (Der Beitrag von Herrn Grave ist in dieser Tourette aktuell abgedruckt).

Nach der Mittagspause berichtete Herr Prof. A. Rothenberger aus Göttingen über besondere Probleme des Tourette-Syndroms im Kindesalter und gab dabei einen umfassenden Überblick aus seiner langjährigen klinischen Erfahrung und seinen neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen.

Herr Dr. B.J.M. van de Wetering aus Rotterdam, Niederlande, stellte in seinem Vortrag Forschungsergebnisse vor, die eindeutig belegen, daß dem Tourette-Syndrom eine erbliche Ursache zugrundeliegt. Auch wenn die aktuellen Daten ermutigend sind, so konnte bis heute weder ein "Tourette-Gen" identifiziert werden, noch der genaue Erbgang ermittelt werden. Herr Dr. van de Wetering sagte, daß er glaube, daß diese Fragen in naher Zukunft gelöst werden könnten.

Nachfolgend berichtete Frau Dr. Müller-Vahl aus Hannover über den derzeitigen Kenntnisstand zur Pathophysiologie des Tourette-Syndroms. Insbesondere bildgebende Untersuchungen konnten die Hypothese erhärten, daß dem Tourette-Syndrom vermutlich eine Fehlfunktion in Regelkreisen zwischen Basalganglien, Stirnhirn und limbischem System des Gehirns zugrunde liegt. Neben dem dopaminergen System scheinen auch andere Botenstoffe im Gehirn eine Rolle zu spielen. Hier bedarf es noch weiterer intensiver Forschung, um neue Erkenntnisse und klinisch relevante Therapiekonzepte umzusetzen.

Abschließend gab Herr Dr. H. Kolbe aus Hannover einen Überblick über die derzeit zur Verfügung stehenden therapeutischen Möglichkeiten. Trotz einer Vielzahl von Medikamenten, die sich als wirksam erwiesen haben, ist die Behandlung im Einzelfall wegen möglicher Nebenwirkungen oft schwierig. Insofern sind neue Therapieansätze wünschenswert.

Die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der alle Anwesenden die Möglichkeit hatten, den Referenten Fragen zu stellen.

Die Veranstalter bedanken sich an dieser Stelle nochmals für die finanzielle Untersützung diverser Pharmafirmen, die das Symposium erst ermöglichte und Voraussetzung dafür war, daß der Eintritt der Mitglieder der TGD kostenlos war.

Mit ca. 350 Teilnehmern war das 1. Deutsche Tourette-Symposium ein voller Erfolg. Wir hoffen sehr, daß sich eine derartige Veranstaltung, die sich in besonderer Weise mit dem Tourette-Syndrom befaßt, zu einer festen Institution entwickelt, damit diese Erkrankung zunehmend bekannter wird. Zahlreiche Interviews mit Reportern von Funk, Presse und Fernsehen vor, während und nach dem Symposium zeigten, daß auch in der Öffentlichkeit ein großes Interesse besteht. Derartige Beiträge haben zudem einen besonderen Stellenwert, da nicht selten Betroffene auf diesem Wege erstmals erfahren, daß bei ihnen ein Tourette-Syndrom besteht.

Kirsten Müller-Vahl
eine gute Adresse