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Rezension aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 29.11.2001

Ein Detektiv mit kleinen Tics kämpft sich durch "Motherless Brooklyn"

von Irene Binal

29. Nov. 2001 "Tourette-Syndrom" wird jene Krankheit genannt, die dazu führt, dass die Patienten unter zwanghaften Tics leiden. Lionel Essrog, ein Waisenjunge und Ich-Erzähler in Jonathan Lethems Roman "Motherless Brooklyn", ist ein Betroffener: Er muss wildfremde Menschen berühren, Dinge nach ganz speziellen Mustern ordnen und die seltsamsten Wortkonstruktionen herausschreien: „Ich bin Jahrmarktschreier, Auktionator, Straßenkünstler, Wortverdreher, ein Abgeordneter bin ich, trunken vom vielen Reden." Kein Wunder, dass Lionels Umwelt befremdet auf ihn reagiert und ihn als Verrückten oder - im besten Fall - als Sonderling betrachtet.

Ausgerechnet dieser Mann begibt sich auf die Spur eines geheimnisvollen Mörders. Denn Lionel kann den Tod des Schmalspur-Ganoven Frank Minna nicht einfach hinnehmen. Minna hatte ihn und drei andere Jungen aus dem Waisenhaus geholt und für sich arbeiten lassen - zunächst in einem Transportunternehmen, später in einer als Fahrtdienst getarnten Detektei. Minna war es auch, der Lionel trotz seiner Behinderung akzeptierte und ihn liebevoll „Freakshow" nannte. Kein Wunder also, dass Lionel beschließt, den Mord an Minna um jeden Preis aufzuklären.

Tourette-Groteske

Das aber gestaltet sich nicht ganz einfach - und für Lionel, der ständig mit seinen verschiedenen Tics kämpfen muss, ist der Streifzug durch Brooklyns Unterwelt ein Tanz auf einem dünnen Seil. Zumal sich immer deutlicher herauskristallisiert, dass die vier Jungen, die sich selbst stolz als "Minna Men" bezeichneten, keine Ahnung vom wirklichen Leben ihres Mentors hatten. Lionel stößt auf eine geheimnisvolle japanische Firma und auf ein buddhistisches Zentrum, hinter dessen Kulissen es offenbar nicht allein um Selbstfindung geht. Er muss mit zwei alten aber deshalb nicht weniger gefährlichen Mafiosi zu Rande kommen und die Rolle klären, die Minnas Frau Julia in all dem gespielt hat. Und immer wieder taucht die Frage auf, ob er überhaupt noch irgend jemandem vertrauen kann.

Das alles klingt nach einem grimmig-humorlosen Ganovenroman. Aber weit gefehlt: Lethem vermengt Ernst und Scherz, und sein durchaus selbstironischer Held ist weit davon entfernt, seine Unzulänglichkeiten zu verschweigen, sondern schildert sie im Gegenteil mit liebevollem Witz, der seine Jagd auf den Mörder gleichzeitig in eine Art Tourette-Kabarett verwandelt. Während sich Lionel durch Intrigen, Verrat und Minnas fragwürdige Vergangenheit kämpft, bleibt er doch immer ein Clown, ein Anti-Held, der beileibe nicht immer den richtigen Weg einschlägt und doch vom Zufall und vom Glück begünstigt wird.

Ein großer Tic

Eben diese Clownerien verleihen dem Roman seinen bezwingenden Charme und machen ihn zum krassen Gegensatz zu handelsüblichen Ganovenromanen. Die spannende Handlung tritt dahinter zurück, die Tatsache, dass die Auflösung zwar dramaturgisch korrekt aber nicht besonders überraschend ist, verliert an Bedeutung. Denn die eigentliche Hauptperson heißt "Tourette", und das Verblüffendste daran ist, wie sensibel sich Lethem in die Welt eines Erkrankten einfühlen kann. Fernab von jeglicher Weinerlichkeit ist sein Humor treffend aber nie verletzend und bewegt sich haarscharf an der Grenze zur Tragik, ohne diese je zu überschreiten.

Entsprechend geht der Sinn für die „guten Dinge des Lebens" Lionel trotz aller Erkenntnisse und Enttäuschungen nicht verloren: Er bleibt der positive Held, der Hofnarr, der der Welt durch sein eigenes, verworrenes Selbst einen Spiegel vorhält. Möglicherweise ist ja auch der gesamte Roman im Grunde so etwas wie ein großer Tic, dem der Leser ausgeliefert ist. Eine Art des Ausgeliefert-Seins freilich, der man sich mit Freuden unterwirft.

Zu weiteren Informationen und zur Bestellung

Aus "Motherless Brooklyn" von Jonathan Lethem
Gebundene Ausgabe - 376 Seiten -
Tropen Verlag, Köln
ISBN: 3932170482

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